Kontakt zu Verstorbenen durch Jenseitsmedium Uta Hierke-Sackmann

Plötzlicher Tod

Ich hab gar nichts gemerkt, und als ich dachte, ich wache auf, da war ich schon drüben.
Das war ein Aufwachen! Mensch, dass mir das so passiert!
Ich hab immer gedacht: Das Beste ist, man fällt einfach um und ist tot oder man schläft ein und wacht nicht wieder auf.
Aber das weiß ich jetzt besser …
Ich wäre gerne geblieben, aber das kann man nicht aufhalten. Das geht nicht.
Eine Geburt kann man nicht aufhalten und das Sterben auch nicht.

 

Ich bitte meinen Schutzengel, mich mit Wilfried zu verbinden.
Wilfried kommt gleich zu mir, er hat eine Regenjacke an und es scheint, als hätte er Angelsachen oder etwas Ähnliches, das er etwas umständlich vor der Tür lässt.

W: Ne, ich war nicht angeln, fotografieren, aber damit kann hier kein Mensch was anfangen, oder?

U: Ne, Wilfried, schön wär´s, wenn es Beweisfotos geben würde.

W: Ach das ist hier aber … hm (schaut sich in meinem Büro um).

U: Gefällt´s dir nicht?

W. Ne, ich such uns mal was Gemütliches, warte mal.
(Er probiert alles Mögliche und schließlich sitzen wir in einem Strandkorb und um uns regnet es so sehr, dass ich weit und breit kein Meer sehen kann …

U: Das hast du jetzt nur gefunden, weil du in Norddeich gestorben bist, oder?

W: nein, warum denn? Aber wenn du willst, mach ich uns einen Wohnwagen.
(Ehe es noch ganz ausgesprochen ist, sind wir in einem Wohnwagen, der innen wie ein Wohnzimmer wirkt, sogar Gardinen gibt es, draußen regnet es allerdings immer noch.)
Du brauchst ja kein schönes Wetter, du kannst ja sowieso nicht Radfahren! Ist auch besser, das geht leicht in die Hüfte …

U: Woher weißt du denn, dass ich nicht Radfahren kann?

W: Meinst du, ich vertraue jedem? Erst mal auf Nummer sicher gehen …

U: Ja, ok, da gebe ich dir recht.
(Jemand hat den Tisch gedeckt mit hübschen sehr kleinen Teetassen und echten Kluntjes, sogar kleine Blümchen stehen auf dem Tisch.)

W: Sie hat´s mir immer gemütlich gemacht, ich habe das so gern gehabt, so verwöhnt zu werden. Sag ihr, ich liebe sie immer noch und sie war das Beste, was mir passiert ist im Leben!

U: Du meinst deine Lebensgefährtin?

W: Ja, der Sven ist ja ein anständiger Junge, aber der will doch nur seiner Mutter was Gutes tun, ich hab ihn drum gebeten!
Ach Mensch! Mir tut das so leid, dass ich mich so davongestohlen habe!
Das wollte ich doch gar nicht!
Von so einem Schock, da erholst du dich doch ein Leben lang nicht!
Sag ihr, dass sie sich keine Vorwürfe machen soll, das stimmt nicht, dass ich was gemerkt habe …
Ich hab gar nichts gemerkt, und als ich dachte, ich wache auf, da war ich schon drüben …
Das war ein Aufwachen! Mensch, dass mir das so passiert!
Ich hab immer gedacht: Das Beste ist, man fällt einfach um und ist tot oder man schläft ein und wacht nicht wieder auf. Aber das weiß ich jetzt besser …
Man denkt da doch wie ein Kind: nur an sich.
Ach … ne … ne … das war nicht gut!

U: Warst du geschockt?

W: Hast du schon mal beobachtet, wie eine Motte nachts vom Licht angezogen wird? Die kann gar nicht anders. Vielleicht weiß sie das nicht, dass sie sich verbrennen wird, vielleicht weiß sie es aber doch! Jedenfalls die fliegt da rein! So war das auch bei mir: Ich konnte gar nicht anders, da war so was wie eine Macht, wie ein … ein Strudel, da war keine Überlegung in mir …

U: War dir da klar, dass du tot bist?

W: Ich glaube ja, aber ich hätte das nicht tot sein genannt (lächelt). Ich dachte, irgendwas stimmt jetzt aber nicht mit mir, aber ich wusste nicht, was. Ich hab versucht, sie zu rufen, aber in meinem Kopf ging das, sonst nicht …

U: Wie im Traum, in dem man plötzlich nicht laufen kann?

W. Na, hm, ja, aber, ohne dass man sich erschreckt, in solchen Träumen erschreckst du dich ja immer so. Ich war ganz ruhig und dann hab ich sie gesehen (zeigt mir eine kleinere, ältere Frau, ich bekomme den Namen Mutter, kann aber nicht sagen, ob es seine Mutter war oder die Mutter seiner Kinder). Sie war einfach da, sie hat so mit beiden Händen meine Hand genommen und ich hab die Hände gefühlt, da wusste ich, das ist jetzt der Weg hinter dem „Zaun“.
(Ich bin mir nicht sicher, ob das der exakte Ausdruck ist, ich habe eine solche Formulierung noch nie gehört fürs Sterben, eher assoziiere ich damit ein „Über den eigenen Gartenzaun gucken“, im Sinn von Aufmachen für neue Eindrücke, vielleicht ist hier auch beides gemeint.)

Ich weiß überhaupt, nicht aus welchem Grund mir Wilfried jetzt einen Ring Fleischwurst zeigt, aber das kommt immer wieder: eine Fleischwurst mit einer Art Siegel daran. Er blendet dieses Bild ein oder lässt es durch, kommentiert dazu aber nichts.

Jetzt steht Wilfried in einer Küche, er hat eine Schürze über den Bauch gebunden, hält einen Kochlöffel in der Hand und sagt: Die besten Zutaten sind wichtig, damit fängt doch alles an. Verstehst du?

U: Ehrlich gesagt verstehe ich den Zusammenhang jetzt nicht …

W: Wenn zwei Menschen zusammenkommen, dann geht das nur, wenn die zusammenstimmen, das meine ich! Wie beim Kochen: Koch mal Fisch und Kirschen zusammen, das wird nichts. Ich hätte nie gedacht, dass ich IRGENDWANN das noch so erleben darf, dass es einfach so stimmt!

Wenn man jung ist, denkt man, man muss einer Frau den Himmel auf Erden bieten, da legt man sich ins Zeug. Aber dann kommt der Beruf und das Ganze, was du erledigen musst. Und dann merkst du, du hast nicht den Himmel auf die Erde geholt, für sie nicht und für dich auch nicht.
Und dann bist du eigentlich zu alt für so was. Und dann ist der Himmel da, einfach so, sie sieht dich an und du weißt, der brauchst du nichts vormachen und der brauchst du auch gar nichts erklären, die kennt dich durch und durch.
Dass der Himmel auf Erden so einfach sein kann …

U: unspektakulär?

W. Ja, wie das Selbstverständlichste auf der Welt, so war das mit ihr und mir, wie jahrelang eingeübt. So war das! Das war ein Wunder! Ich hatte mir so meine Eigenarten angewöhnt, sie hat das hingenommen, sie war so gut für mich!

Ich will, dass du ihr das sagst! Sie hat mir nicht das Leben verkürzt, sie hat mir das Lebendig sein wieder zurückgegeben! Das darf sie nie vergessen, nie!

Ich kann viel reden, wenn ich das mal will, und trotzdem nichts sagen. Aber jetzt will ich, dass sie mir zuhört: Da ist nichts zwischen uns gewesen, was nicht richtig gewesen wäre! Sie war mein ZUHAUSE, ich bin immer da für sie, immer.
Ich weiß, ich bin nicht der Einzige hier, der sie liebt, und das ist schön, dass ich mich nicht allein um sie sorgen muss.
Sie darf das ja so sehen, dass sie die verloren hat, die sie geliebt hat und denen sie vertraut hat. Das verstehen wir doch! Aber deshalb hört doch die Liebe nicht auf!
Ich wäre gerne geblieben, aber das kann man nicht aufhalten. Das geht nicht. Eine Geburt kann man nicht aufhalten und das Sterben auch nicht. Ich habs versucht …

U: Du meinst jetzt gar nicht deinen Todeszeitpunkt, ist das richtig?

W: Ne, da war so was in mir, ich hätte das gar nicht so benennen können. Ich hatte so vieles einfach satt. Irgendwie war das so was, das ich schon dachte, da stimmt was nicht mit mir.

U: Hattest du das Leben über?

W: nein! Ich war satt! Oder wie … wie nach Weihnachten, wenn du alles gekriegt hast: Du hast dich genug gefreut und gefeiert und geredet und es war schön und dann denkst du, ja, jetzt ist es gut! Jetzt ruh ich mich aus!

Der Verstand sieht das ja anders, dann ist noch dies und das zu erledigen. Und dann überlegst du dir, ob du nicht vielleicht doch noch den einen oder anderen Wunsch in Erfüllung gehen lassen kannst.
Deshalb fahren so viele ältere Paare mit dem Kreuzschiff nach Norwegen, warum sollte man das sonst machen?
Aber du spürst trotzdem: Eigentlich bin ich schon satt.

Er zeigt mir das Bild eines Gänsebratens: Alle essen davon, viel und reichlich und dann stellt jemand ein Dessert mit Eiercreme und Kirschen hin …

U: Jetzt versteh ich dich, danke für das Bild.

W: Sie soll das wissen: Dass ich mich in letzter Zeit so zurückgezogen habe, das lag nicht an ihr, das versteh ich aber auch erst jetzt, sie war eben das Leben und ich war schon so satt.
Es tut mir wirklich leid. Ich hab mir so gewünscht, dass ich ihr keinen Kummer mache. Wir hatten beide genug Kummer im Leben, wir haben uns doch trösten wollen: „Das Beste kommt immer zuletzt“.
Ja, aber, ach. Ich will jetzt nichts mehr sagen, das regt doch auf!

U: Danke, Wilfried, du hast so viel gesagt. Dann nutze ich jetzt deine Pause und beschreibe deine Persönlichkeit, wenn du mir das erlaubst?

W: Ja sicher, deshalb sind wir doch hier!

Ich erlebe Wilfried als freundliche und fürsorgliche Persönlichkeit. Er scheint sehr mutig zu sein, nur sehr wenige Verstorbene bringen die Kraft auf, so viel zu ihrem Ableben zu sagen.
Wir dürfen nicht vergessen, dass es ein „Erinnern“ in unserem Sinn im Jenseits nicht gibt. Die Seele muss sich zurückversetzen, ohne dabei die Distanz zu haben, die unser Verstand zu Lebzeiten uns selbst auf unsere Erinnerungen wie ein Reporter schauen lässt.
Wilfried scheint dieses Zurückversetzen nicht zu belasten, es scheint mir, als sei es für ihn eine Frage der Anständigkeit, wenigsten so seiner Lebensgefährtin zu helfen, seinen unvermuteten Tod einordnen zu können.
Egal, was es ihn kostet, wenn es nur ihr damit ein wenig besser geht.

Er scheint überhaupt sehr danach orientiert zu sein, was er für „Recht“ hält. Ein Mensch, der seinen Prinzipien treu ist. Allerdings habe ich überhaupt nicht den Eindruck, dass er den gleichen Maßstab auch bei anderen anlegt.
Eher so ein: Jeder muss nach seiner Fasson glücklich werden“, solange er nur niemandem schadet.

Wilfried ist noch gar nicht lange im Jenseits und dieses Reading hier muss extrem anstrengend für ihn sein. In der Regel ist die Belastungsgrenze in solchen Fällen für den Verstorbenen schnell erreicht. Aber Wilfried kämpft sich durch, bis er das ihm Wichtigste übersetzt bekommen hat.
Vermutlich war er so zeit seines Lebens: Die Dinge, die er angefangen hat, wurden auch zu Ende geführt.
Dass sein Tod genau das Gegenteil war, ein Abbruch wie aus dem Nichts, das ist ihm heute einfach fürchterlich. Er nimmt es hin, weil er muss, aber das ist sehr ungewöhnlich für ihn.

Ich versuche seine Vergangenheit zu verstehen und habe das deutliche Gefühl, dass er sehr Schweres im Leben durchgemacht hat. Kann es sein, dass er in sich eine tiefe Traurigkeit wegen einer anderen Frau getragen hat? Und ich habe das Gefühl, dass auch Kinder da eine unglückliche Rolle spielen.

Meiner Ansicht nach wollte Wilfried nie scheitern, an was auch immer. Und dennoch scheint er sehr schmerzvoll erlebt zu haben, was es heißt, alles gegeben zu haben und dennoch nicht halten zu können, was ihm so wichtig war.

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob sich dies ausschließlich auf der Beziehungsebene ergeben hat oder auch beruflich. Es scheint mir, als hätte er mehr als einmal nicht gewusst, wie es weitergeht, aber irgendwie hat er sich immer wieder aufgerafft, weitergemacht, verbissen sogar gekämpft, bis er wieder festen Boden unter den Füssen hatte. In solchen Zeiten kam ihm sicher auch die Fähigkeit, Härte zu zeigen, zur Hilfe: Nur nicht aufgeben, und auch sich nichts gefallen zu lassen.

Eine ganz natürliche Autorität hat sich daraus entwickelt, eine Geradlinigkeit und auch Ausdauer, die man nur bewundern kann.

Der Umgang mit anderen Menschen scheint sein Leben sehr beeinflusst zu haben. Wobei er niemand war, den man täuschen oder blenden konnte. Mag sein, dass er dabei vor allem in jungen Jahren auch mal zu rigide war, mag sein, dass er mitunter rau wirkte oder bärbeißig. Aber das war nur äußerlich, im Herzen war er ein gutmütiger Mensch, solange sich an die guten Regeln des geschäftlichen, aber auch des menschlichen Miteinanders gehalten wurde.
In seiner Jugend habe ich ein extrem schmerzhaftes Gefühl, wenn es um seine Mutter geht, ein so intensives Vermissen, dass ich an dieser Stelle nicht weiter in ihm lesen will, um ihm kein Leid zu zufügen.
In diesem Zusammenhang erwähnt er mehrmals den Begriff Schwester, und es scheint mir, als sei er emotional an der Stelle ziemlich aufgewühlt, ich komme aber nicht drauf, um was es geht, was ihn verärgert.

Dieser Ärger erstaunt mich, bisher wirkte Wilfried so ausgeglichen. Aber es scheint, als hätte es da durchaus Momente gegeben, die ihm einen „roten Kopf“ machten …
Er lacht an dieser Stelle und zeigt mir, WAS ihm einen „roten Kopf“ gemacht hat: wenn er seinen Hosenbund schon wieder nicht zugekriegt hat, weil er wieder zugenommen hat, und wenn Zeitungen unordentlich auseinandergenommen waren.
Also eher nur Kleinigkeiten?

Nein, irgendwas Familiäres gärt da noch, meinem Gefühl nach geht es um Kinder. Es fühlt sich bitter an, dann geht es in eine Stille über, die ich aber nicht als friedvoll bezeichnen würde, sondern eher als eine Abwesenheit von Streit …

Ich versuche, zu verstehen, was ihn in seinem Leben gefreut hat. Und tatsächlich kommt gutes Essen, auch gutes Trinken, es sich gut gehen lassen eben.

Ich sehe einen Garten, ein stiller Morgen, der Garten ist umfriedet mit einer Hecke, ich glaube, da sind noch mehr Gärten und es ist kein Mensch da.
Die Sonne geht auf, die Vögel singen, das scheint etwas sehr Schönes für ihn gewesen zu sein.

Ich denke, das „es sich so gut wie möglich gehen lassen“ hatte wirklich besondere Bedeutung für ihn, auch emotional. Das war ein Trost für die wirklich schlimmen Entbehrungen seiner Kindheit.
Was war denn mit seinem Vater los? Ich bekomme ein sehr schmerzhaftes Gefühl, auch ein Gefühl von verdrängt sein, abgelehnt, verlassen … nicht gut.
Er will nichts dazu sagen, scheint sich abgefunden zu haben, dennoch …

Ich glaube, Wilfried hat sein Leben lang nach einem fürsorglichen Miteinander gestrebt und es vielleicht deswegen gegeben, so gut er es selbst nur irgendwie konnte.

Und wäre er nicht in frühester Kindheit dazu gezwungen worden, zu sich selbst hart zu sein, er wäre vermutlich ein äußerst sensibler Mann geworden. So aber musste er sich eine Schale zulegen, die eine Fassade zeigte, die ihm selbst eigentlich gar nicht passte.

Wenn ich versuche, zu spüren, was er im tiefsten Sein wollte, dann denke ich, er wollte gut sein, er wollte lieben dürfen, treu und fürsorglich sein.
Aber da war immer die Angst, zu verlieren, auf was man sich tief einlässt …
Und wenn diese Angst vor zu viel Nähe hochkam, gab es das Bedürfnis nach Rückzug, und dies durchaus auch so, dass er so bärbeißig war, dass der andere sich zurückzog. Er lächelt an dieser Stelle und sagt: Das geht aber nicht mit jeder, sag ihr, sie hat mich durchschaut!

U: Danke, Wilfried, geht’s dir wieder gut?

W: Mir geht’s immer gut!

U: Wilfried, möchtest du mir noch ein paar Bilder zeigen?

Er antwortet gar nicht erst, sondern fängt gleich an:
Das Erste, was ich sehe, ist, wie er seinen Schlüssel nicht in ein Schloss kriegt und ziemlich ungeduldig dabei wird. Hatte er in der letzten Zeit seines Lebens manchmal Phasen der Ungeschicklichkeit und Vergesslichkeit?

Das nächste Bild ist ein sehr großes Schiff, es scheint einen Kanal zu durchfahren …
Dann sehe ich das Meer, immer wieder erscheint das Bild des Meeres: still, ruhig, gut.
Als Nächstes sehe ich eine Autowaschanlage: Das Gefühl dazu ist eine Mischung aus Belustigung und Provokation, ich verstehe das nicht.
Als Nächstes sehe ich eine alte Stadt mit Backsteinbauten, eine Straße, die einer Landstraße gleicht, ein Auto mit einem polnischen Kennzeichen fährt vor uns. Das Gefühl ist spannend, aufgeregt, aber auch traurig …

Als Nächstes sehe ich eine Frau, die mit übergeschlagenen Füssen da sitzt, ich sehe nur die nackten Füße. Zwischen die Zehen hat sie Watte gelegt und die Zehennägel sind frisch lackiert und auf den Augen der Frau liegen Wattepads.
Wilfried lacht so sehr bei diesem Anblick. Er fühlt sich geschmeichelt, ich denke, diese Frau wollte sich für ihn schön machen und er findet das sowohl lustig als auch bezaubernd und rührend, als auch völlig überflüssig.
Kann es sein, dass seine Lebensgefährtin sich so gerne schön für ihn machen wollte, weil sie unsicher war, ob sie ihm „gut genug“ ist?
Er nickt, als ich diese Frage schreibe: Und sag, sie war das Beste für mich, ich hatte nur Angst, dass ich ihr nicht gut genug bin!

Dann bekomme ich ein anderes Bild: ein Kartoffelsalat und Krakauer Würstchen dazu und den Satz: Liebe geht durch den Magen.
Szenenwechsel: Ich sehe jetzt einen Mann an einem Funkgerät sitzen, irgendwie sehe ich jetzt in das Innere des Apparates: Viele Kabel, einige mit losen Enden, es wird daran herumgewerkelt.
Dann sehe ich ein Fernrohr, eines, mit dem man die Sterne sehen kann.

Zwischen all den Bildern und Szenen fällt immer wieder der Name Heinz, ich bekomme allerdings keinerlei Bezug oder Zusammenhang.

Jetzt bekomme ich eine Art Stammbaum gezeigt, auch ohne einen Bezugspunkt dazu.
Als Nächstes eine Tafel Diätschokolade.
Jetzt werden die Bilder diffus, die Konzentration lässt deutlich nach. Ich bekomme nur Fetzen: ein ziemlich schweres Auto, dunkel … ein Fischstand, irgendwie Fisch und Brötchen …

Länger zeigt er mir eine Fabrik oder Chemieanlage: also viele Türme, Kanister, eine Raffinerie? Nein, es scheint ein großes Industrie-Gebiet zu sein, verschiedene Industrien, aber es ist nicht hier im Ruhrgebiet …
Ein Koffer, der leer ist oder leer bleibt, da liegt nur ein Prospekt drin, irgendwas ist schlimm am Anblick dieses leeren Koffers, ich verstehe das nicht …

Dann zuletzt: Nachts, zwei liegen im Bett nebeneinander, eine Frauenstimme sagt leise, aber liebevoll: Du schnarchst …
Und er lächelt und sagt: ja …
Und das Gefühl zu dieser so völlig banalen Szene ist einfach wunderbar: Geborgenheit, Vertrautheit, akzeptiert sein, Liebe. Eine stille, ganz unspektakuläre Liebe. Ich fühle eine kühle Hand in meiner, der Schlaf kommt und alles ist einfach und gut.

U: Vielen Dank, Wilfried! Es war anstrengend?

W: nein! Ich bin froh, ich wollte sie doch NIEMALS enttäuschen!

U: Du hast sie doch nicht enttäuscht.

W: ach doch! Sie hat kein Glück mit Männern, hat sie mal gedacht. Sie hat ja recht. Es tut weh, mir auch. Aber wir wollen auf das Gute sehen. Immer das Beste aus allen machen …

U: Na ja, du bist im Himmel.

W: Ich … ich rede manchmal Unsinn, da musst du gar nicht hinhören …

U: Sie tut dir so leid, das spüre ich ja …

W: Am liebsten würde ich jetzt sagen: Mädchen, gönn dir mal was Schönes, lass uns mal einkaufen gehen, dass du auf andere Gedanken kommst! Aber das hört sie ja nicht mehr …

U: Darf ich dir ihre Fragen stellen, ihr Sohn Sven hat sie mir geschickt:

W: ja …

U: Sven fragt, warum du seine Mama so plötzlich allein gelassen hast?

W: Das war mein Wunsch, als ich noch nicht auf der Erde war. Wir entscheiden das so, wie wir glauben, dass es richtig ist. Ich wusste doch gar nicht, dass es falsch ist, ich hatte doch noch gar nicht so geliebt und um mich hatte auch noch nie wer so getrauert. Jetzt tut es mir so leid, für sie ist es doch wie Verrat. Ach, das ist schwer, damit fertig zu werden. Wir konnten uns nichts sagen, kein Danke, kein auf Wiedersehen, keine Verabredung …
Ich weiß nicht, wie ich das wieder gutmachen kann. Und du musst schon wieder der Starke sein! Das ist auch nicht leicht.
Sag ihr, ich war jeden Tag stolz auf sie! Ich hätte sie nie so verlassen, wenn ich das noch hätte ändern können.

U: Aber wenn du deinen Tod schon vor der Geburt so geplant hast, dann musst du das doch mit ihr im Himmel verabredet haben, oder sehe ich das falsch?

W: Ne, das war so! Aber so ist sie eben! Sie wusste ja: Wenn sie vor mir geht, dann werde ich verrückt. Und wenn ich sehe, dass sie leidet, weil es mir schlecht geht, kann ich nie in Frieden gehen.
Da hat sie gedacht, sie schafft das! So sehr hat mich ihre Seele lieb …

Das haben sie mir hier erst erklärt, dass sie mich so lieb hat. Ich habe das nicht erwartet. Das ging ganz tief mit uns, das haben wir beide nicht mehr erwartet. Aber dass es soooooooo tief geht!

U: Sven fragt, wie es dir geht?

W: Ach, es geht, ich bin ganz ruhig. Ich schäme mich nur, weil ich das angerichtet habe und nicht mehr ändern kann.
(Da scheint es auch um finanzielle Sachen zu gehen.)

U: Sven würde gerne wissen, was du für Aufgaben im Jenseits hast?

W: Ich ordne noch alles …

U: Was ordnest du denn?

W: mein Leben, die Zusammenhänge, die Familiengeschichte, das alles …

U: Wie ordnest du das? Ich verstehe nicht …

W: Ich ordne die Gefühle zu den Ereignissen, das hatte ich ganz durcheinander …

U: oh, ok. Weißt du, was du als Nächstes machen willst?

W: Ich weiß noch nicht, beraten vielleicht …

U: Möchtest du noch was Wichtiges mitteilen?

W: Wo soll ich denn da anfangen: Ich will nicht, dass sie Weihnachten allein ist. Sven, lass das nicht zu! Ja, und ich wollte eigentlich nie zugeben, wie viel mir die letzten Jahre bedeutet haben. Auch dass ihr mich einfach so in eure Familie genommen habt. Ich hatte oft Angst, dass ich den Vater von Sven nie ersetzen kann.

Und jetzt ist er hier mein Freund! Und ich weiß, dass wir uns schon ewig kennen, das war schön, zu wissen. Ich dachte nicht, dass er mich leiden kann …
Das mit dem Nachlass: Kinder, nehmt das doch nicht so ernst! Ich hänge bestimmt an nichts, außer an euch. Hauptsache, euch geht’s gut!
Na ja, also, so gut wie möglich.

Ich würde mit ihr ja gerne mal unter vier Augen reden. Es gab da so Schwierigkeiten, die will man nicht dem Sohn sagen …
Aber sie weiß, was ich meine, und sag ihr, ich bin so dankbar, dass sie immer zu mir gehalten hat.

U: Danke, Wilfried, dann möchte ich mich jetzt von dir verabschieden, ich wünsche dir ein wunderschönes Sein!

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