Verstorbenenkontakt mit Brief: Ich habe gewusst, dass ich ganz anders bin als die anderen
Ich bitte meinen Guide mich mit Filomina zu verbinden, ihr Enkel Konstantin bittet um diesen Kontakt.
Filomina kommt sehr elegant gekleidet herein, sie hat sich zurecht gemacht wie die Queen Mam persönlich, ein zartes pastellfarbenes Kleid, mit einem Mantel im gleichen Ton, die Haare sorgfältig frisiert, in der Hand trägt sie einen kleinen Strauss Maiglöckchen. Sie macht kleine Schritte, als wäre es ungewohnt für sie, in diesen eleganten Schuhen zu gehen, schiebt die Füße voran, ohne sie richtig anzuheben, hatte sie gegen Ende ihres Lebens Probleme mit dem Gehen?
Sie schaut sich lange bei mir um, findet meine roten Vorhänge nicht so schön, heller mag sie es, dezenter, dann endlich setzt sie sich in den Sessel mit einem seufzenden: ah ja …
Sie lächelt … es ist ein gütiges, freundliches Lächeln, aber irgendwie ist es eines das ihre Augen nicht erreicht, die sind von einer gewissen Melancholie, die ich schwer deuten kann. Neben sich hat sie eine Tasche stehen, für eine Handtasche zu groß, für eine Einkaufstasche zu klein und sie passt so gar nicht zu ihrem bewusst eleganten Auftreten, darin kramt sie herum, sucht und sucht, bis sie schließlich ein Brillenetui gefunden hat. Sie setzt sich die Brille auf, schaut über deren Rand hinweg zu mir und bemerkt, “nur zum Lesen, ich brauche keine Brille, habe sehr gute Augen! Ich frag mich was sie lesen will, da nimmt sie ein Zettelchen, darauf sind offensichtlich Notizen, sie räuspert sich, ehe sie beginnt vorzulesen, dann liest sie, es sind Namen … ich verstehe nichts.
U: Filomina, ich verstehe nicht, was machst du da?
F: No, ich grüße, ich will keinen vergessen …
U: Oh, ah Filomina, dann sag ich einfach du grüßt alle deine Verwandten, einverstanden?
F: ja, einverstanden, aber er nicht. Na trotzdem, ich grüß alle!
U: Du meinst, der Konstantin wäre nicht einverstanden?
F: Hm, weiß man, was in einem jungen Mann vorgeht, dessen Ehre gekränkt wurde? Weiss man nicht!
U: du aber schon?
F: No ja, ich bin ja die Großmutter, ich bin ja seine liebe Großmutter, sagt er nicht nur, meint er auch. War zu viel unverstanden der Junge, hat sich immer bemüht, aber sie neiden, sie neiden immer, man muss nachsichtig werden hier, aber das ist eben schwierig, wenn man lebt … na ja. Es ist so, wie Gott es will. Der Mensch lernt durch Bewährungen, hast du das schon gesehen Menschen, die immer klug sind? Ich hab so was nie gesehen! Ach, na ja, soll ich jetzt sagen, ich bin traurig? Ich bin nicht mehr traurig, aber ich will, dass er Zuversicht hat, man sagt doch Zuversicht? Ich will, dass er sich selbst glaubt. Ist das nicht das Wichtigste?
Konstantin, mir wurde schon als Kind nicht geglaubt. Weißt du? Sie glauben nur, was sie wollen. Muss man da böse sein? Nein, recht hast du, man muss nicht. Aber man muss sich selbst glauben.
Du machst das gut, du bist ja tapfer. Nicht? Na ja, siehst du!
Aber wusstest du, dass wir zwei mehr verstehen, als sie? Wusstest du, dass du das von mir hast? …
Aber, ich hab immer überlegt: Was kann ich sagen, was verschweige ich? Was KOENNEN sie glauben, was nicht.
(Lächelt.)
Und heute weiß ich, sie können alle nur glauben, was sie glauben sollen, ja.
Die Farbenblinden können auch nur sehen, was sie sehen sollen, na ja, aber trotzdem grüß ich alle, alle, alle!
Der Mensch macht Fehler, so ist es nun einmal! So! (Nimmt die Brille wieder ab, steckt sie in die Tasche.)
U: Du kommst gleich zur Sache, was?
F. (lächelnd): Soll ich lange herum reden? Er weiß es doch sowieso!
Hast du was zu trinken (schaut sich um)?
U: Hättest du denn Durst?
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